Warum eine Pilgerreise ein schlechtes Abenteuer ist

Gut, die Überschrift mag etwas hart formuliert sein. Womit ich mich in diesem Artikel auseinandersetzte sind die Probleme, die eine Pilgerreise als Abenteuer in sich birgt.

Insbesondere im Kontext der Quanionsqueste, aber auch allgemein mit einem geweihten Charakter in einer Runde mag sich die Pilgerreise als Erlebnis am Spieltisch gut anhören, doch wenn man es plant, dann sollte man sich bewusst sein, auf was man sich einlässt. Wobei mein Fokus sehr auf der Geschichte liegt.

 

Eine Reise ist keine gute Geschichte

Ich gebe es offen zu: Ich habe ein Problem mit Reisen in Rollenspielabenteuern. Der Grund dafür ist, dass die Fortbewegung von A nach B keine gute Geschichte ergibt. Die Ereignisse dabei bauen kaum aufeinander auf, da der Ortswechsel auch immer neue Begebenheiten mit sich bringt. Die Spannungskurve besteht nur aus kurzen Ausschlägen, die sich am ehesten wegen der Brisanz gegen Ende steigern, aber nicht wegen der innewohnenden Dramaturgie und das Abenteuer ließt sich verkürzt so: Einführung – Zufallsbegegnung (kleiner Gegner) – Zufallsbegegnung (Herausfoderung über Talentproben) – Konflikt an festem Ort (soziale Interaktion oder Kampf) – Zufallsbegegnung (mittlerer Gegner) – Finale (großer Gegner).

Für mich als Storyteller sind die Möglichkeiten hier einfach zu begrenzt, um eine großartige Geschichte zu entwickeln.

 

Am Ende einer Pilgerreise ist man ein anderer Mensch

Eine weitere Schwierigkeit bei Pilgerreisen ist sie angemessen von einer einfachen Reise abzuheben, denn eine Pilgerreise ist ein spirituelles Erlebnis. So impliziert eine solche Reise eine Charakterentwicklung, um die Vorstellung des Pilgerns zu erfüllen – doch wie kann ich mir als Spielleiter sicher sein, dass ich eine solche Entwicklung anstoße? Wie kann ich also erreichen, dass ein Charakter eine Reise zur Buße auch wirklich als Buße wahrnimmt. Wie kann man sicherstellen, dass ein Charakter zu einem Gott findet, während er sich auf Pilgerfahrt befindet? Der Charakter und seine Entwicklung liegt voll und ganz in den Händen des Spielers und so ist es unglaublich schwer Ereignisse in sein Pilgerabenteuer einzubauen, die eine gewünschte Entwicklung anstoßen.

 

Fokussierung auf den Charakter

Eine Charakterentwicklung wie oben beschrieben auszuspielen bedeutet auch, dass die Spolights des Abenteuers auf das Innere der Charaktere gerichtet sind. Die Schwierigkeit hierbei ist hierbei allen Charakteren gerecht zu werden. Wenn alle ähnliche Spielanteile bekommen sollen, dann muss auf der Pilgerreise für alle etwas dabei sein – und hier vor allem nach innen gerichtete Ereignisse, um die Stimmung der Pilgerfahrt einzufangen.

So bekommt im schlimmsten Fall jeder Charakter ausreichend Ereignisse, um ihn im Fokus von rollenspielerischen Szenen setzen soll und dieser nicht annimmt, da er keine Veranlassung für eine Charakteränderung seines Helden in der Szene sieht.

 

Also keine Pilgerreise?

Das könnte man als Fazit aus den vorhergegangenen Punkten ziehen, jedoch gibt es Möglichkeiten, die Punkte zu umschiffen.

Mein erster Tipp ist, dass man eine spirituelle Pilgerreise am ehesten in kleinen Gruppen oder gar nur mit einem Spieler begehen kann, um der Charakterdarstellung genug Raum zu geben und darauf einzugehen.

Auch wenn das Abenteuer selber zur Pilgerreise wenig Hilfen gibt ist die Idee von ‚Des Königs letzte Reise‘ aus dem Aventurischen Boten 110 sehr gut geeignet, um eine Geschichte im Laufe einer Reise zu erzählen, die deutlich mehr bietet, als die üblichen Reisebegegnungen. Insbesondere sieht man hier, dass über die Begleitung, welche die Helden auf einer Pilgerreise haben, diese für die Geschichte aufwerten können.

Wenn man eine Rahmenhandlung für die Pilgerreise (wie in oben genanntem ‚Des Königs letzte Reise‘) hat, so kann man den Charakterfokus auch etwas vernachlässigen. Eventuell mögen so auch schon zwei spirituelle Ereignisse ausreichen, um das Flair des Pilgerns zu verbreiten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s